
Pflege und Krankheiten
Eichhörnchen sind recht einfach in der Pflege und durch unsere klimatischen Bedingungen nicht sehr anfällig für Krankheiten. Bei einer guten uns ausgewogenen Ernährung sind sie selten bis gar
nicht krank. Dennoch:
Ich kontollieren meine Tiere jeden Tag bei der Fütterung. Mit der Zeit bekommt man ein Gefühl dafür wenn irdendwas nicht stimmt.
Ein täglicher Gesundheitscheck ist Lebensnotwendig:
- Kommen alle zum Fressnapf, zur Fütterung?
- Fressen sie normal und in der gewohnten Geschwindigkeit?
- Sind sie munter und an ihrer Umgebung interessiert?
- Laufen und Springen Sie normal?
- Ist der Kot normal geformt?
Parasiten
Hin und wieder kann es jahreszeitlich Bedingt zu Flohproblemen kommen. Daher sollte man immer geeignete Präparate im Haus haben. Ich verwende für die Kobel und Umgebung ein Spray Namens Ardap. Am Tier selber kann man Frontline verwenden. 1-2 kleine Srühstösse sind für erwachsene Tiere genug. Frontline wirkt auch gegen Zecken. Wenn man es ohne Chemie haben möchte, dann kann man auch Neemspray verwenden.
Jährlich sollte man die Eichhörnchen mit Panacur entwurmen. Panacur verringert auch das Risiko, das sie Hörnchen an Kopfschiefhaltung erkranken (siehe unten) Dafür verwende ich eine 10%ige Lösung. Sie bekommen über 3 Tage dieses Mittel auf Leckerbissen geträufelt. Die genaue Dosierung erfragt bitte beim Tierarzt. Panacur verringert auch, das sie Hörnchen an Kopfschiefhaltung erkranken.
Deweiteren kann es bei Eichhörnchen zu Befall mit Kokzidien kommen. Dies sind einzellige parasitäre Lebewesen, die in der Darmwand leben und
sich dort vermehren. Die Zellen befallen die Darmschleimhaut, diese wird zerstört. Die Vermehrung wird durch Teilung der Nachfolgegeneration
freigesetzt wird. Die Folge der Darmbesiedelung kann bei Massenbefall zu Zerstörung
der Darmschleimhaut führen. Dies führt dann zum Tod.
Besonders bei Jungtieren ist die Sterblichkeitsrate hoch, weil die Symtome zu spät erkannt oder nicht zu finden sind. Aus diesem Grund bekommen meine Hörnchen vorsorglich 2 x im Jahr eine Kur mit Apppertex®. Die Dosierung für Hörnchenkinder ist einmalig 1 Tablette/250g. Bei erwachsenen Hörnchen gebe ich 1 1/2 Tabletten. Die Tabletten lösen sich sehr schnell in Wasser auf. Meine Hörnchen bekommen dies in einer Einwegspritze in Mäulchen geträufelt. Dieses Präparat ist zwar für Brieftauben entwickelt worden, wird aber zunehmend bei Nagetieren eingesetzt weil es sehr gut Verträglich ist. Ich nutze es auch bei meinen Kaninchen.

Enzephalitozoon cuniculi (Schiefhals)
Bei der E. Cuniculi handelt es sich um einen
Protozoe, eine obligat intrazellulär lebende Mikrosporidenart. Ich möchte
das gern mal übersetzen: Protozoe = ein einzelliges Lebewesen. obligat =
unerläßlich, zwingend, intrazellulär = innerhalb einer Zelle, im inneren einer
Zelle, Mikrosporidenart = Pilzgattung, Pilzart. Also handelt es sich um ein
einzelliges, pilzartiges Lebewesen, welches sich im Tier innerhalb von Zellen
einnistet.
Dieser Parasit siedelt sich bevorzugt im zentralen Nervensystem (Gehirn,
Rückenmark) sowie auch der Nieren der befallenen Tiere an.
Übertragung / Ansteckung:
Die Übertragungswege der E. Cuniculi sind noch
nicht ausreichend erforscht. Ab einem bestimmten Zeitpunkt der Erkrankung werden
vom befallenen Tier Sporen des Erregers über den Urin und den Kot ausgeschieden.
So nehmen Tiere im gleichen Gehege die Erreger mit dem Futter, welches am Boden
liegt, auf. Der Erreger kann auch über die Atemwege (Nase/Lungen) aufgenommen
werden. Ebenso wird er vom Muttertier auf die Jungtiere übertragen (die
Übertragung erfolgt schon im Mutterleib).
Es handelt sich bei der E. Cuniculi um eine Zoonose, die Erreger befallen
verschiedene Säugetiere wie Ratten, Kaninchen, Mäuse, Hamster, Schafe, Schweine, Hunde
etc., von daher sollten befallene Tiere von anderen Tieren isoliert werden. Für
den Menschen besteht nur dann eine Ansteckungsgefahr, wenn er selber stark
erkrankt ist und eine Immunschwäche vorliegt.
Symptome/Anzeichen der Krankheit:
Folgende Symptome können auf
E.Cuniculi hinweisen:
- Auffälligstes, typischstes Anzeichen: der Kopf wird schief/ verdreht
gehalten weshalb die Krankheit auch Schiefhals, bzw englisch "Head Tilt" genannt
wird. Kopfschiefhaltung kann allerdings ebenfalls als Folge von
Ohrenentzündungen, Parasitenbefall im Ohr und aufgrund von Tumoren
vorkommen.
- Oft Verlust des Gleichgewichtssinnes. Angezeigt durch Umkippen beim Putzen
und Männchen machen, Desorientiertheit, im Kreis laufen.
- Kopf / Ohren schütteln. Dies kann ebenfalls auf Tumore, Ohrenentzündungen
und Parasitenbefall hinweisen.
- Lähmungserscheinungen, oft der Hinterläufe. Lähmungserscheinungen können
ebenfalls durch Verletzungen und Stauchungen der Wirbelsäule oder durch
Blähungen hervorgerufen werden.
- Bauchgluckern, Aufgasung, grosse Köttel, manchmal Durchfall bei Jungtieren
mit Wachstumsverzögerung. Deshalb ist unbedingt auch Kotprobe auf Kokzidien mit
abzugeben! Diese Symptome treten natürlich ebenfalls bei Durchfall auf.
- Evtl. Kopf in den Nacken legen, Mäulchen aufreissen.
Tritt eins oder treten mehrere dieser Symptome bei Ihrem Eichhhörnchen auf, ist
E.Cuniculi nicht auszuschliessen, deshalb ist eine Blutuntersuchung auf den
Erreger (Antikörpertest) zur sicheren Diagnose dringend angeraten. Leider wissen
viele Tierärzte nicht einmal, dass E.cuniculi durch eine Blutprobe nachgewiesen
werden kann. Die Tierärzte welche die richtige Diagnose stellen, wissen oft
nicht, dass ein Anti- Wurmmittel wichtiger als die Gabe eines Antibiotikums ist.
Diese Erkenntnisse sind erst ein paar Jahre alt und Tierärzte, die sich nicht
fortbilden oder nicht auf Kaninchen spezialisiert sind, sind nicht auf dem
neuesten Stand. Andere Erkrankungen, welche diagnostisch ausgeschlossen werden
müssen, kommen bei der obigen Symptomatik natürlich ebenso in Frage
(Mangelerscheinungen, falsche Ernährung, Verrenkungen und Knochenbrüche etc.)
Behandlung:
Treten diese Symptome auf, muss sofort gehandelt werden.
Es ist unverzüglich ein Tierarzt aufzusuchen egal, ob Nachts oder am Wochenende!
Nur durch eine sofortige Behandlung können massivere Schäden am Nervensystem
verhindert werden!
- Während auf das Blutergebnis gewartet wird, sollte vorsoglich ein
Anti- Wurmmittel (Anthelminthikum, z.B. Panacur) gegeben
werden. Dieses ist das wichtigste Medikament bei der Behandlung von E.Cuniculi,
da es den Parasiten abtötet. Nebenwirkungen von Panacur (bei richtiger
Dosierung) sind bei erwachsenen, nicht tragenden, gesunden Tieren nicht bekannt.
Bei trächtigen Tieren kam es in Tierversuchen, bei starker Überdosierung, sehr
selten zur Beeinträchtigung der Embryo-Entwicklung.
- Ist die Diagnose (Ergebnis des Bluttests) eindeutig positiv ausgefallen,
wird Panacur, oder ein ähnliches Mittel (Anthelminthikum), mindestens 3 bis 4
Wochen lang täglich gegeben. (Nach Absprache mit dem Tierarzt). Bei häufigen
Rückfällen haben führende Tierärzte das Medikament auch schon auf Lebenszeit
verordnet.
- Ein hochdosiertes Vitamin B muss ebenfalls verabreicht werden.
- Die Gabe eines Antibiotikums gegen die Sekundärinfektionen kann sinnvoll
sein und sollte mit dem Tierarzt abgesprochen werden (im Allgemeinen wird zu
Chloramphenicol geraten).
- In einzelnen Fällen ist die Gabe von Cortison sinnvoll. Ob das sinnvoll und
notwendig ist, muss im Einzelfall entschieden werden, da Nebenwirkungen nicht
ausgeschlossen werden können.
Oft bleiben nach E.cuniculi dauerhafte Schäden , z.B eine leichte
Kopfschiefhaltung zurück, mit der die Tiere aber gut klar kommen.
Andere im Rudel lebende Hörnchen ohne Krankheitsanzeichen müssen vorsorglich
gleichzeitig ebenfalls ein Wurmmittel bekommen, da E. Cuniculi ansteckend ist!
Da E. Cuniculi ebenfalls die Nieren befällt, ist auf eine ausreichende
Flüssigkeitszufuhr und gute Spühlung der Nieren zu achten. Es hat sich als
sinnvoll erwiesen, den Tieren verdünnte Kräutertees, frische Kräuter und auch
getrocknete Kräuter (in Verbindung mit viel Wasser oder Tee) anzubieten.
Besonders zu nennen ist hier: Löwenzahn (die ganze Pflanze und
Wurzel, frisch oder getrocknet oder als Tee). Ebenfalls positiv wirken:
getrocknete Brennnessel (getrocknet und als Tee).
Birkenblätter (frisch, getrocknet und als Tee).
Kamillentee wird abwechselnd gegeben, er wirkt
entzündungshemmend. Spitzwegerrichkraut kann ebenfalls frisch und getrocknet
angeboten werden.
Kann man vorbeugen?
Eine Impfung ist nicht möglich. Alle Tiere können sich
anstecken oder schon latent infiziert sein. Von daher ist ein regelmäßiger Gesundheitscheck s. o. bei allen Eichhörnchen dringend
notwendig, nur so wird die Erkrankung rechtzeitig erkannt und behandelt.
Es ist zu überlegen, einmal im Jahr eine Kur mit einem Wurmmittel zu machen,
was oft schon wegen (evtl unerkanntem) Fadenwurmbefall sinnvoll ist.
Vergiftungen
Da Eichhörnchen nahezu
alles anfressen was irgendwie grün gefärbt und saftig aussieht muss unbedingt darauf geachtet werden, das Giftpflanzen nicht für die Eichhhörnchen zugänglich sind. Also nicht in der Nähe der Voliere oder gar in der Voliere gepflanzt wird. Zu den giftigen Pflanzen zählen u. a. Buchsbaum, Efeu, Eibe, Fette
Henne, Hortensien, Krokusse, Maiglöckchen, Primeln, Geranien, Rhododendron, Tulpen und
Schneeglöckchen.
Bissverletzungen oder Knochenbrüche.
Es kann passieren, das sich die Hörnchen beim Spielen oder Kämpfen (Schlacht um einen begehrten Leckerbissen) ernsthaft verletzen. Bißverletzungen sind jedoch gut zu behandeln und heilen erstaunlich schnell. Für diese Fälle sollte immer Betaisadonna flüssig oder Surolan in der Hörnchenapotheke sein. Ausgewachsene Hörnchen kann man in der Voliere lassen, kleinere sollte man doch zur besseren Bebachtung ins Haus holen. Man kann sie dann in einer kleinen Zimmervoliere besser kontollieren und besser die Wunde versorgen.
Sofern sich keine Entzündung entwickelt, macht man gar nichts. Die Wunde verklebt in der Regel nach 2 Tagen und wächst dann wieder zusammen. Wenn die Wunde jedoch anfängt zu riechen und zu eitern, sollte man bitte sofort einen Tierarzt aufsuchen.
Knochbrüche erkennt man genau wie bei uns Menschen auch. Die Stelle schwillt an man kann den Tieren ansehen das sie unter Schmerzen leiden. Wenn kein offener oder komplizierter Bruch vorliegt heilt
auch diese Sache von alleine aus. Liegt jedoch ein Splitterbruch vor muss man ganz offen sagen, daß das Tier besser eingeschläfert
werden sollte. Bei jedem Bruch sollte sofort ein Tierarzt aufgesucht werden, dieser wird die Schwere des Bruch und die Heilungschancen abwägen. Notfalls wird das Eichhörchne noch vor Ort eingeschläfert.
Milben
Kahle Stellen im Fell oder gar kompletter Haarverlust sind meist ein Zeichen von Milben oder Pilze. Dies kann aber auch auf Ernährungsfehler (Vitaminmangel) hindeuten. Ist dies ausgeschlossen, sind meist doch die Milben und Co dafür verantwortlich. Abm besten geht ihr damit zum Tierarzt und verschafft euch Klarheit.
Manchmal gibt es auch hormonbedingte Haarsausfall. Manchen Hörnchen fehlt ein Wachstumshormon. Diese Hörnchen sind meist kleiner als ihre Artgnossen und haben häufig Probleme mit dem Fell.

Bild ist mit freundlicher Genehnigung
von Kleintierparkt Krüger
Da ich schon jahrlang Kaninchen und Meerschweinchen züchte, ist meine Tierapotheke recht groß und kleinere Wehwehchen werden von mir mit Rücksprache meines Tierarztes selbst behandelt. Mit der Zeit, weiß man was seinen Schützlingen fehlt.
In meiner Tierapotheke sind stets Augentropfen z.B. Floxa od. Genthopal, Augensalbe mit Vitamin B, Surolan (das mittel der Wahl bei Pilzbefall und kleinen Wunden), Durchfallmittel, Vitamin B, Betaisadonna und Wasserstoff zum desinfizieren.
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